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13.06.2013
Tourismus nach der Flut: Informieren statt stornieren!
Reinhard Meyer - Portrait vor HafenkulisseFoto: Steffen Voss
Reinhard Meyer - Portrait vor Hafenkulisse
Foto: Steffen Voss

Tourismus nach der Flut: Informieren statt stornieren!

Berlin ( tour´s - EB / CR - prawi) :


Auf einer Länge von 40 Kilometern rollt, knapp acht Meter hoch, die Scheitelwelle der Elbeflut stromabwärts Richtung Schleswig-Holstein. Experten rechnen damit, dass die Ausnahmesituation auf und hinter den Deichen noch etwa eine Woche andauert. Während also die Anwohner vielerorts an den aufgeweichten Deichen weiterhin um ihre Häuser und beruflichen Existenzen bangen, hat am Oberlauf der Elbe sowie im Flussgebiet von Mulde, Saale, Schwarzer und Weißer Elster sowie an vielen anderen kleinen Nebenflüssen im Hinterland das große Aufräumen nach der Flut begonnen. So auch im sächsischen Pirna und im Gebiet des Nationalparks Sächsische Schweiz um Bad Schandau.

Mit Blick auf die beginnende Hauptferienzeit stellt sich die Frage, wie in den von der Flut betroffenen Gebieten der Tourismus wieder schnell in Gang kommt. Tour´s sprach auf einer Veranstaltung des „Tourismus Dialog“ in Berlin über dieses Thema exklusiv mit Reinhard Meyer. Der SPD-Politiker ist Präsident des Deutschen Tourismusverbandes und trägt auch als Wirtschaftsminister von Schleswig-Holstein für die dortige Tourismusentwicklung Verantwortung. Von der Flut und ihren Auswirkungen zeigte sich Reinhard Meyer sehr betroffen. Er forderte schnelles Handeln, um ein länderübergreifendes Konzept für den Hochwasserschutz zu schaffen. Auch mit Blick auf den Klimawandel sei es notwendig, neben der Deichmodernisierung und dem Deichrückbau den Flüssen mehr Räume zu geben. Wie im Havelgebiet bewähren sich Polderflächen.

Für die Ferienzeit empfahl der Verbandspräsident, sich über die Urlaubsziele in den Flutgebieten aktuell zu informieren. Wenn man den Zustand der Hotels und der Freizeitmöglichkeiten kennt, fällt die Entscheidung für den Urlaub leichter. Sein Rat: „Informieren ist besser als stornieren!“

Eine aktuelle Umfrage von tour´s zum Tourismus in Flutgebieten zeigt die große Differenziertheit.

Sächsische Schweiz:

„Die Tourismusunternehmen der Region lassen sich nicht unterkriegen, sie werden schnell wieder normale Bedingungen schaffen“ sagt Tilo Richter, Präsident des Tourismusverbandes Sächsische Schweiz. Viele Hotels werden schon in einer Woche wieder öffnen. „Dort hat das große Aufräumen nach der Flut begonnen,“ so Richter. So will Hotel Helvetia, das Bio- und Nationalpark-Hotel in Schmilka, ab 1. Juli wieder empfangsbereit sein.

In einigen Häusern in tiefer Lage wird das leider erst Anfang 2014 möglich sein. Aber das sind Ausnahmen. Der Verbandschef: „85 Prozent des Gebiets sind von der Flut glücklicherweise nicht betroffen. Die Gäste können kommen!“

Auch das Nationalparkzentrum in Bad Schandau bietet Urlaubern seinen Service ab Montag wieder in gewohnter Qualität.

Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft:

„Wir hatten Glück, die Schwarze Elster ist in ihrem Bett geblieben“, sagt Sandra Spletzer, Projektkoordinatorin im Naturparkhaus Bad Liebenwerda. Nur auf dem Elsterradweg entlang der Schwarzen Elster gibt es zur Deichsicherung noch kleinere Einschränkungen.

Spreewald:

Seit Mittwoch sind Spree-Radweg, Gurkenradweg und andere Radwege im Kreis Spree-Neiße wieder für Touristen freigegeben. „Wir hoffen, dass die Gäste auch bald wieder zu den traditionellen Kahnfahrten starten können“, sagt Marona Paschke von der Tourist-Information in Burg. Sie hofft mit Wirten und Pensionsbetreibern, dass die Kreisbehörde schnell die Sperrung der Spreefließe aufheben kann.

Porzellan- und Weinstadt Meißen:

Der Pegel der Elbe ist weiter gesunken und das Wasser ist aus dem betroffenen unteren Teil der Altstadt abgeflossen, meldet die Tourist-Information.

Der Markt mit der Frauenkirche und die weiter oben gelegenen Bereiche, die Freiheit und der Domplatz, waren nicht überflutet. Dom, Albrechtsburg und Porzellanmanufaktur sind geöffnet. Auch viele Hotels, Restaurants, Pensionen, Ferienwohnungen und Gästezimmer waren vom Wasser verschont geblieben und erwarten ihre Gäste.

  Die Elb-Talbrücke ist schon seit Montag wieder für den Autoverkehr freigegeben. Fußgänger können auch alle anderen Brücken nutzen.

Führungen durch die historische Altstadt finden wie gewohnt täglich um 13 Uhr statt. Am Sonnabend (15. Juni, 19 Uhr) führt ein "Romantischer Abendbummel" mit der Meißner Bürgerfrau durch die Gassen der Altstadt, so die Ankündigung auf der Website der Tourist-Information.

  Wittenberge:

Die Stadt im Nordwesten Brandenburgs wurde von der Flut hart getroffen, die Altstadt musste evakuiert werden. Doch auch hier fällt der Elbpegel. Mitte der Woche konnten sogar zwei Tage Pause beim Sandsackfüllen eingelegt werden, der Vorrat reicht.

Noch können nicht alle geplanten Veranstaltungen stattfinden. Das Familienfest am Freitag (14. Juni) vor dem Kulturhaus und der Volleyball-Sommer des SV Empor/Grün-Rot 90 Wittenberge mit dem Sparkassen-Cup, der am Wochenende auf dem Programm stand, mussten abgesagt werden.

Ein Touristen-Magnet hat jedoch geöffnet – die Alte Ölmühle. „Hotel und Brauhaus mit der Schaubrennerei arbeiten ganz normal. Wir freuen uns auf die Gäste und versprechen ein Erlebnis in den denkmalgeschützten alten Saatspeichern und der Fabrikanten-Villa der ehemaligen Ölfabrik direkt an der Elbe“, sagt Mitarbeiterin Nancy Hermann.





 

 


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