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14.06.2011
Herzschlagfinale in Hoppegarten
• 8.800 Zuschauer wetten und fieberten vor großer Kulisse mit
• Weiter mit dem Saisonhöhepunkt am 24. Juli zum 121. Großen Preis von Berlin

Hoppegarten (tour's/PI):
Das Galopprennen nicht minder faszinierend und mitreißend enden können als Formel-Eins-Rennen oder ein Champions-League-Finale, konnten 8.800 Zuschauer heute am Pfingstsonntag im Hoppegartener Hauptrennen, dem Diana-Trial, erleben.

In der entscheidenden Phase des Rennens hatten sie einen Erfolg der vermeintlich sicher in Führung liegenden Außenseiterin JULIE´S LOVE erwartet. Auf der in Köln trainierten Stute war auch ihr 21jähriger Reiter Alexis Badel längst von einem Erfolg überzeugt, als an der Außenseite mit SELKIS eine weitere Außenseiterin immer näher kam. Doch das war reichlich spät, das Rennen schien längst gelaufen zu sein. Auf den allerletzten Metern geschah dann etwas vermeintlich Unmögliches, als SELKIS sich mit energischen und riesengroßen Galoppsprüngen nach vorne katapultierte. Man sah, dass es an der Spitze im letzten Moment noch ganz eng wurde, doch waren die meisten Zuschauer überzeugt, JULIE´S LOVE hätte den Sieg noch soeben ins Ziel gerettet. Das erwiese sich als Irrtum: Die Auswertung des Zielfotos ergab, dass SELKIS, die 182:10-Außenseiterin aus dem Gestüt Schlenderhan auf der Linie mit dem geringsten Vorsprung überhaupt, einer „Nase“, gewonnen hatte. Eine Länge zurück belegte NIGHT OF DUBAI, eine Schwester der besten deutschen Stute NIGHT MAGIC, Platz drei vor der Mitfavoritin PARAGUA aus dem Gestüt Fährhof und der bislang sieglosen Riesenaußenseiterin LEOPARDIN. Favoritin DALARNA blieb unerklärlich farblos und musste mit dem siebten Platz vorliebnehmen.

Alexis Badel, der sieggewohnte Franzose, kam aus dem Staunen über den ihm noch entrissenen Sieg kaum heraus. Große Freude dagegen bei Siegreiter Viktor Schulepov. Der vor drei Tagen 53 Jahre alt gewordene Russe hatte am Mittwochabend überraschend den entscheidenden Anruf von Schlenderhans Trainer Jens Hirschberger bekommen. „Ich hatte überhaupt nicht geahnt, noch einen Ritt in diesem großen Rennen zu bekommen,“ wunderte sich der schicksalsgestählte Jockey-Veteran, „aber noch mehr bin ich erstaunt, dass die Stute so viel zu bieten hatte.“ Schulepov, ist der älteste in Deutschland aktive Jockey. Mit größter Ruhe ritt er sein Pferd aus dem Hinterfeld heraus. Auf der Zielgeraden konnte er dann immer neu feststellen, dass SELKIS, die aus einer neunmonatigen Rennpause kam, noch Reserven hatte und in der Lage war, das ganze Feld zu überspurten. SChulepov profitierte bei diesem Rennen davon, dass Schlenderhans Vertragsjockey Adrie de Vries zur selben Zeit ein Pferde des Stalles in Paris zu reiten hatte und auch der zweite Jockey, Michael Cadeddu, nicht verfügbar war. Quasi aus Verlegenheit wurde Oldtimer Schulepov engagiert. SELKIS ist nach dieser verblüffend starken Leistung Mitfavoritin für den „Preis der Diana“, Deutschlands zweitwertvollstes Rennen (ca. 650.000 Euro) am 8. August in Düsseldorf.

Die Startberechtigung für diesen Turf-Klassiker dürfte im erstmals ausgetragenen Preis vom Berliner Schloss auch FULMINANTE erworben haben. Die Stute aus dem Odenwälder Gestüt Etzean siegte beim ersten Start ihres Lebens Start-Ziel mit imposanter Überlegenheit. Christiane Weil-Daßbach, Gestütschefin und Präsidentin der Rennbahn Frankfurt/Main, nahm strahlend die Siegertrophäe entgegen, die ihr Wilhelm von Boddien, Geschäftsführer des Fördervereins Berliner Schloss e.V., überreichte.

Eine neu eingeführte Besonderheit in Hoppegarten war am Anfang des Nachmittags das von SUN OF JAMAICA (Reiterin Steffi Hofer) gewonnene Kincsem-Rennen, das an die 1876 in Hoppegarten begonnene 54fache Siegesserie der ungarischen Wunderstute Kincsem erinnert. Noch immer bedeutet diese Leistung Rekord und dürfte auch ein Rekord für die Ewigkeit bleiben. Der ungarische Botschafter Dr. József Czukor überreichte als Ehrenpreise besonders wertvolle Ehrenpreise aus der weltberühmten ungarischen Porzellanmanufaktur Herend.

Nach den schnellsten Stuten Deutschlands im Diana-Trial wurde im großen Hutwettbewerb der schönste Kopfschmuck prämiert. Der von einer prominenten Jury (Dagmar Frederic, Britta Elm, Hannes Hofmann) gekürte Siegerhut in der Kategorie „Glanz und Glamour“ kam direkt aus dem Theaterfundus auf den Kopf der Brandenburgerin Jessica Schweda. „Berliner Luft“ umwehte den weithin sichtbaren Fernsehturm der Gartenbaustudentin Maria Butschak. In der Kategorie „Partnerlook“ gewann der Hut-Sechser aus Sandra Gerhard und ihren fünf Freundinnen.

Im Preis des DRAV-Präsidenten gingen wie schon bei einem Rennen am Freitag Vollblutaraber an den Start. Es gewann LILLIJ aus den Niederlanden vor dem Französischen Hengst SAYF. Auch DRAV-Präsident Dr. Paul Daverio zog ein positives Fazit des Renntages in Hoppegarten: „Unsere Besitzer, viele davon kommen aus Frankreich, waren mehr als begeistert. Hier ist es schöner als in Chantilly, hat man mir gesagt“. Auch zum nächsten Renntag, dem Saisonhöhepunkt in Hoppegarten, sind wieder Araber am Start. Für die Vollblüter wird der 121. „Große Preis von Berlin“ erstmals seit 1944 wieder in Hoppegarten gelaufen.

 

 


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