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21.05.2013
Altano, der „Nurmi“ auf vier Beinen
Hoppegarten (tour`s / prawi) :

Der dritte Veranstaltungstag 2013 auf der Galopprennbahn Hoppegarten war ein erster Saisonhöhepunkt. Knapp zehntausend Berliner und Pferdefreunde aus dem Umland strömten zum „Ladies Day“ auf die Rennbahn im Grünen vor den Toren der Hauptstadt. Manche Dame trug eine fantasievolle Kopfbedeckung, hoffte auf einen der Preise bei „Berlins größtem Hutwettbewerb“, der traditionell auch an diesem Tag, gewissermaßen als Zugabe, ausgetragen wurde. Bei prächtigem Sommerwetter erlebten die Besucher vor allem aber hochklassigen Galopp-Sport in acht spannenden Rennen.

Auf den Tribünen und dem Rasen davor, der Wallensteins Lager glich, wurde gelacht, gefeiert, geküsst, sich gefreut und dem nächsten Rennen der schnellen Vierbeiner entgegengefiebert. Und das nicht nur wegen eines erhofften Wettgewinns.

Hochspannung herrschte vor dem 42. Oleander-Rennen, benannt nach dem erfolgreichsten deutschen Rennpferd in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts (23 Starts, 19 Siege), das wie alle prominenten Galopper auch in Hoppegarten trainiert wurde. Die edle Zierpflanze Oleander (Rosenlorbeer) war wiederum dessen Namensgeber.

Auf dem Papier gab es Pfingstsonntag nur einen Favoriten: Earl of Tinsdal, geritten von Champion Eduardo Petroza, einem 38jährigen in Panama geborenen Jockey, der das Oleander-Rennen schon mal vor zehn Jahren gewonnen hatte. Dieses Rennen ist ein besonderes. Es führt über 3 200 Meter, der längsten auf deutschen Galoppbahnen zu laufenden Distanz. „Es ist das Gipfeltreffen der Extrem-Steher“, so Rennbahn-Eigner Gerhard Schöningh.

Jockey Pedroza glaubte an seinen Sieg, gab aber auch zu bedenken: „Es ist doch etwas ganz anderes, ob du über 1 600 Meter oder über die doppelte Distanz antreten musst“, so der Erfolgs-Jockey auf der Pressekonferenz vor dem Rennen.

Lange sah es während des Rennens nach einem klaren Favoritensieg des Gespanns Pedroza/Earl of Tinsdal aus. Die beiden führten den Pulk von 44 trommelnden Beinen - sprich: elf Pferde - an. Doch auf der Zielgeraden griffen die Speedpferde an. Zuerst Slowfoot, sogar Riesenaußenseiter Supersonic Flight war zur Stelle. Ganz außen brachte Jozef Bojko Altano, der unterwegs eine kleine Ewigkeit auf dem letzten Platz hinterher galoppierte, in Angriffsstellung.

Die Skepsis von Jockey Pedroza war nicht unbegründet. Zwar lag der Favorit gut 100 Meter vor dem Ziel noch knapp in Führung, doch Bojko holte auf den letzten Metern alles aus Vorjahressieger Altano, einem sieben Jahre alten Wallach, heraus. Er wurde mit einer dreiviertel Länge verdienter Sieger. Und das mit Bahnrekord von 3:21,3 Minuten. Er ist der Nurmi auf vier Beinen. Benannt nach dem legendären finnischen Langstreckler Paavo Nurmi (1897 - 1973), der Weltrekorde aufstellte und neun Olympia-Goldmedaillen einsammelte.

Die Plätze belegten Supersonic Flight und Earl of Tinsdal.

Altanos stolze Besitzerin Dr. Ingrid Hornig: „Er ist ein besonderes Pferd. Eins mit Herz.“ Offenbar mit einem großen Kämpferherzen.

Neben der Altano-Besitzerin freute sich besonders ein Mann über den Sieg und den dritten Platz: Der Ravensberger Erfolgstrainer Andreas Wöhler, der in der Nähe von Gütersloh etwa 100 ihm anvertraute Pferde betreut.

Dem Oleander-Rennen-Sieger von Hoppegarten lockt eine Einladung zum Gold Cup ins englische Ascot, dem Mekka der Langstrecken-Galopper.

Dr. Ingrid Hornig: „Ob wir nach Ascot fahren, das entscheidet der Trainer. Aber etwas Besonderes möchten wir mit Altano schon machen. Das hat er verdient!“

Es war ein erlebnisreicher und erfolgreicher Renntag in Hoppegarten, wo seit 1868 Rennen gelaufen werden. Ein weiteres Mosaiksteinchen in der jüngsten Erfolgsgeschichte der 207 Hektar großen Bahn, auf der gegenwärtig 140 Pferde untergebracht sind. Von 2008 bis 2012 stieg die Gesamtbesucherzahl um 81 Prozent. Zu den Rennen kommen an Spitzentagen mehr als 12.000 Gäste. Im vergangenen Jahr wurden 2.126707 Euro an den Wettschaltern umgesetzt.

 

 


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