26.09.2017
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15.05.2016

Hangrutsch am Königsstuhl zerstörte Besuchertreppe



Sassnitz/ Nationalpark Jasmund (tour's / Str.-Hl.) :

Die Kreidekliffs an der Ostseeküste im Nationalpark Jasmund sind in ständiger Bewegung. Ein Hangrutsch in Nähe des höchsten und berühmtesten Kreidefelsens Königsstuhl hier auf der Insel Rügen am Samstag den 7. Mai 2016 führte zur Sperrung der dortigen Hochufertreppe. Nach Angaben der Freiwilligen Feuerwehr Sassnitz fiel durch den Erdrutsch eine Buche am unteren Ende auf den hölzernen Abstieg. Die Treppenstufen am unteren Teil wurden dadurch zerstört. Die Feuerwehrleute zersägten den Baum und mussten die Wurzel aufwendig mit einem Seilzug entfernen. Besucher dieses Bereiches am Königsstuhl wurden zum Glück nicht verletzt.

100 Meter zum Strand hinunter führt eine sehr beliebte Holztreppe mit 412 Stufen Sie war 1996 erneuert worden, besteht aber schon sehr lange. Aus anderer Perspektive lassen sich dann vom Meeresufer aus die beiden mächtigen Kreidefelsen des Königsstuhls und der Viktoriasicht betrachten. Am Fuß des Königsstuhls ruht im Wasser der „Waschstein“, ein mächtiger Findling. Wie die anderen Findlinge vor der Küste Jasmunds ist er mit den Gletschern aus Skandinavien während der letzten Eiszeit hierher transportiert worden. 22m3 groß und rund 60 Tonnen schwer, ist der Waschstein imposant und sagenumwoben: Hier soll nach der Erzählung der dortigen Fischer alle sieben Jahr eine Meerjungfrau hinaufsteigen und sich auf ihm waschen. Unter demselben soll sich aber auch eine tiefe Höhle befinden, wo einst der berüchtigte Seeräuber Störtebecker seine überall zusammengeraubten Schätze verbarg. Ein beeindruckender Küstenwanderweg führt von hier einige Kilometer weit über den Blockstrand entlang der ausgedehnten Kreideformationen des Hohen Ufers zum sprudelnden Kieler Bach, wo eine Treppe angelegt ist. Für Naturbegeisterte, die gut zu Fuß sind und ein gewisses Risiko nicht scheuen, ein besonderes Wandererlebnis, das der Nationalpark neben vielen anderen zu bieten hat und diese Haupttreppe am Königsstuhl zu einem Highlight machte.

Nach Hangbewegungen mussten immer wieder Arbeiten an dem Treppenkonstrukt zwischen Strand und dem 118 Meter aufragenden Kreidefelsen ausgeführt werden. Gerade erst hatten die Mitarbeiter des Nationalparkamtes wieder mit viel Aufwand Holz besorgt und Treppenteile ausgetauscht. Eine Reparatur dieser Treppe am Königsstuhl ist nun nicht mehr möglich. An dieser Stelle des Steilufers gibt es für die Treppe keinen Halt mehr, wie die Nationalparkverwaltung mitteilen musste. „Der fehlende Treppenabschnitt ist kurzfristig nicht zu ersetzen. An dem verbliebenen steilen Hangbereich gibt es keine Möglichkeiten mehr, um ein Bauwerk zu befestigen,“ so Dr. Ingolf Stodian, der für den Nationalpark Jasmund zuständige Dezernent. Vier Millionen Menschen sind seinen Schätzungen nach wohl ab 1996 die beliebte Treppe hinauf- oder herabgestiegen. „Ein Neubau muss heutzutage den baurechtlichen Normen entsprechen, und normgerecht lässt sich dies nicht mehr machen, damit Hundertausende Besucher pro Jahr gefahrlos die Treppe benutzen können.“ Ein einstweiliges Provisorium sei kaum möglich.

Seit einiger Zeit schon wünscht sich der Nationalpark einen kompletten Neubau des Abstiegs an anderer Stelle in Nähe des Königsstuhlfelsens. Die Holztreppe soll dann durch eine Metalltreppe ersetzt werden. Einen Termin für den Neubau gibt es derzeit noch nicht. Voraussichtlich könne das Amt jedoch im Juni ein Baugrundgutachten für den Neubau ausschreiben, wenn die beantragten EU-Fördergelder in Höhe von 2 Millionen Euro bewilligt werden. Nach Schätzungen von Dr. Stodian könnte es dann frühestens in zwei Jahren möglich sein, diesen beliebten Weg mit einhundert Metern Höhenunterschied wieder zu nutzen. Besucher können bis auf Weiteres nur die mehrere Kilometer entfernten Abstiege am Kieler Bach oder in Lohme nutzen, um an den Uferabschnitt unterhalb des Königsstuhls zu gelangen. Vom Nationalpark wird Wanderern ohnehin die komplette und gefahrlose Nutzung des Hochuferweges mit schönen Ausblicken und ohne Küstenabstieg empfohlen. Reizvoll und ganz bequem ist auch eine Bootsfahrt entlang der Kreideküste von Sassnitz aus.

 

 


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