21.11.2017
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15.05.2017

Nationalpark Jasmund: Gefahr von Kliffabbrüchen und
UNESCO-Welterbe Forum vor Eröffnung



Sassnitz / Rügen (tour's / M. Str.-Hl.):

Auf dem östlichen Teil Rügens nördlich von Sassnitz erstreckt sich der 1990 gegründete Nationalpark Jasmund, mit einer Fläche von nur 3 000 Hektar Deutschlands kleinster. Sicherlich jedoch einer der schönsten und reizvollsten mit seinen gewaltigen Kreidekliffs an der Meeresküste, dem ausgedehnten Rotbuchenwald der Stubnitz, zum Teil UNESCO-Weltnaturerbe, und einer artenreichen Flora und Fauna. Zusammen mit dem Nationalpark-Zentrum Königsstuhl ist er eine große Besucherattraktion und beliebtes Wanderziel. Sehr schön erlebbar ist diese in Deutschland einmalige Küstenlandschaft auf einer etwa 12 Kilometer langen Wanderung entlang des Hochuferwegs, der dem hügeligen Gelände folgend und über viele hölzerne Treppen zwischen Anhöhen und Tälern mit sprudelnden Bächen durch den dichten Buchenwald von der Hafenstadt Sassnitz bis zum höchsten Kreidefelsen Königsstuhl führt. Doch der eigentliche, sichere Weg wird aus Leichtsinn und um einen noch besseren, ganz besonderen Ausblick über die Landschaft mit den imposanten Kreidefelsen über dem Ostseestrand zu erhaschen, oft verlassen. Verbunden mit der Gefahr eines möglicherweise tödlichen Absturzes.

So geschehen an den Osterfeiertagen dieses Jahres. Eine 21jährige Hamburgerin stürzte in der Nähe der Ernst-Moritz-Arndt-Sicht in die Tiefe. Beim Fotografieren soll die junge Frau ins Straucheln geraten sein, fiel von der Kliffkante der Kreidefelsen. Herbeigerufene Rettungskräfte suchten mithilfe eines Hubschraubers den 60 Meter tiefer gelegenen Uferbereich ab. Der Notarzt konnte nur noch den Tod der Hamburger Sängerin feststellen.

Durch die Einwirkung von Wasser und Wind, jahreszeitliche Temperaturschwankungen ist das Kreidefelsmassiv in ständiger Bewegung und Veränderung. Das Nationalparkamt registriert bis zu 300 Abbrüche und Rutschungen pro Jahr. Etwa 80 Warnhinweisschilder stehen entlang des Hochuferweges, besonders gefährdete Stellen sind mit Holzbalken zusätzlich abgesperrt. Den Küstenrückgängen entsprechend, soll im Herbst dieses Jahres ein Teil des Hochuferweges zur Sicherheit um 50 Meter in das Innere verlegt werden. Solche Maßnahmen seien immer wieder erforderlich, wie Dr. Ingolf Stodian, langjähriger Dezernatsleiter des Nationalparks Jasmund, dem tour´s-Magazin mitteilte. „Der Wanderer kann abseits des Weges bis an die äußerste Hochuferkante treten, wie es darunter aussieht, weiß man aber nicht. Wer sich das Ganze von der Seeseite betrachtet, erkennt, dass wir dort deutliche Überhänge haben oder sich metertiefe Höhlen bilden. Auf die Gefahren durch Kliffabbrüche am Steilufer weisen wir ausführlich hin, jedoch ziemlich vergeblich“.

Doch es gibt auch erfreuliche Neuigkeiten zu vermelden: Neben dem markanten Hauptgebäude am berühmten Kreidefelsen des Königsstuhls wird die räumliche Präsenz des Nationalpark-Zentrums Königsstuhl demnächst durch einen zweiten Standort ergänzt. Genutzt wird hierfür das mitten im Nationalpark gelegene alte Ausflugslokal „Waldhalle“. Dieses neue UNESCO-Welterbeforum soll als eine Art „Basislager“ für Naturinteressierte dienen, die das Natur-Welterbe Alte Buchenwälder entdecken wollen. Der zweigeschossige Fachwerkbau von 1888 wurde in seiner Substanz originalgetreu saniert, informiert nach Umbau ausführlich mit Ausstellungen und touristischen Informationen, bietet Imbiss und öffentliche Toiletten. Die Lage, nur wenige Meter von der Steilküste und den Resten der Wissower Klinken entfernt, macht es zu einem idealen Zwischenziel für eine Wanderung von Sassnitz zum Königsstuhl oder zum beliebten Ziel für einen sonntäglichen Spaziergang von der Hafenstadt aus. Zur feierlichen Eröffnung des UNESCO-Welterbeforums am 6. Juni 2017 wird Bundeskanzlerin Angela Merkel erwartet, die in Mecklenburg-Vorpommern ihren Wahlkreis hat.

Noch keine erfreulichen Nachrichten gibt zum Treppenabgang am Königsstuhl, der 2016 beschädigt und gesperrt worden war. Die Finanzierungsfrage eines Neubaus sei noch ungeklärt, auch habe sich am Treppenfuß das Strandrelief stark verändert, so Dr. Stodian. Es wird Jahre brauchen, bis dieser beliebte Treppenweg mit einhundert Metern Höhenunterschied zwischen Königsstuhl und Ostseestrand vielleicht wieder nutzbar sein wird.

In jedem Fall bietet die faszinierende Schönheit dieser Küstenlandschaft dem Besucher des Nationalparks Jasmund viele unvergessliche Naturpanoramen. Doch etwas Umsicht und Vorsicht sind geboten, um angemessen und unbeschadet in dieser schroffen Wildheit unterwegs zu sein.

 

 


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